Bericht von der Vollversammlung

Der FSR hat kürzlich eine Vollversammlung aller Jurastudierenden einberufen. Da der Aufruf etwas klein geraten war und der ganzen Angelegenheit anscheinend keine große Bedeutung beigemessen wurde, war die Beteiligung entsprechend gering. Der Grund der VV war für den FSR seiner gesetzlichen Pflicht nach zu kommen und der Fachschaft (also uns Studierenden) Rechenschaft darüber abzulegen, wie der FSR im vergangenen Semester aktiv war. Daher musste sich der FSR auch an seinen Wahlversprechen messen lassen.

Die Möglichkeit die VV als zentrales demokratisches Organ der Fakultät zu sehen, als Ort,die eigenen Tätigkeiten zu präsentieren, zu diskutieren, informieren, Meinungen auszutauschen, Öffentlichkeit, Kommunikation und eine Atmosphäre des gegenseitigen Interesses zu Leben,im Gegensatz zum ignoranten,  mindestens vier ganze Jahre lang aneinander vorbeizulaufen wurde hingegen nicht wahrgenommen. Für dieses Ideal einer Fakultät, des gemeinsamen sich-Bildens und Fragens zu werben und die KomilitonInnen dafür zu motivieren? Fehlanzeige! Auf die Frage ob man die bestürzend geringe Beteiligung nicht ändern könne, wurde eingewandt, dass sei die letzten Jahre ja nicht anders gewesen und auch mehr Werbung für die VV würde das die Beteiligung der Studierenden nicht ändern. Außerdem wäre ein anderer Zeitpunkt für die VV als Montag früh mitten in der Vorlesungsfreien Zeit aufgrund der eigenen Verpflichtungen im Studium nicht möglich gewesen. Einen Anspruch an sich selbst, gerade als jemand der sich hoffentlich nicht nur aus Karriere/Freischuss/Sozialpunkte-Gründen engagiert, diese als negativ erkannte Situation zu ändern, an seine KomilitonInnen als mündige Menschen mit guten Absichten zu appellieren, das o.g. Ideal einer Fakultät und menschlichen Umgangs offensiv und engagiert gerade für die VV einzufordern? Fehlanzeige! Zu erkennen, dass man zumindest mit der Energie, die man in Veranstaltungen wie dem „Oktoberfest“ investiert auch eine – und der Name spricht eigentlich schon Bände- Vollversammlung aller Jurastudierenden Organisieren könnte? Fehlanzeige!

Dieses Problem zog sich eigentlich auch durch alle anderen Punkte: Angesprochen auf die massiven Verzögerungen und Schikanen, die durch die dauerhafte Aktivierung der Schließanlage der ZBR entstehen, entgegnete der FSR, endlich wären die Fachfremden, ihre „nervenden Taschenrechner“ und gelegentlich auftretenden „nicht geistig Gesunde“ aus der ZBR verbannt. Der Anspruch den solidarischen Umgang den der FSR von den Jurastudierenden in der ZBR fordert, konsequenterweise auch auf die Universität insgesamt, gerade in Zeiten immer knapperer Mittel, zu übertragen anstatt eine Mauer gegen Fachfremde hochzuziehen? Fehlanzeige. Zumal die ZBR nie restlos voll war, sondern das große Problem immer fehlende Bücher und Schließfächer waren. Dinge, die ein Ausschluss anderer aus der modernsten Bib auf dem Campus nicht ändert. Vom Zeitverlust an der Schranke und der enormen zusätzlichen Belastung für das Tresen-Personal und natürlich die Kosten für die andauernden, sinnlosen Reparaturen ganz zu schweigen. Der FSR hatte jedoch noch nicht einmal ein Problem gesehen.

Bei den massiven Kürzungen die an der Universität anstehen und dem Verfahren um das Hamburger Hochschulgesetz, engagiert sich der FSR leider nicht in der FSRK [1], dem offiziellen Vernetzungsgremium aller Fachschaftsaktiven, sondern in dem von den Grünen und angepassten FSRen ins Leben gerufenen FSRV. Offengeblieben ist ob es der FSR wenigstens in der FSRK versucht hat.  Ob der FSR bei o.g. Problemen aktiv werden will? Man hätte einen Brief an den Unipräsidenten unterschrieben, jetzt würde man abwarten. Eigeninitiative, der Wunsch die Studierenden an der Fakultät aufzuklären, wenigstens zu informieren? Nein. Die Proteste gegen die Kürzungen seien ja erst kürzlich gewesen. Aber angesprochen auf den Diebstahl im Fachschaftsrat bei dem ein Schaden von weit über 1000 € entstanden ist, entgegnete der FSR, dies sei ja schon ewig her. Tatsächlich ist es genau anders herum! Der Fall konnte übrigens von der Polizei nicht aufgeklärt werden: Das FSR Büro war nicht richtig abgeschlossen(?), deswegen hätte der/die DiebIn auch ohne Schlüssel hineingelangen können.  Aus der versprochenen Stellungnahme auf der FSR Website ist leider auch nichts geworden.

Begrüßenswerterweise wurden rund zwei  Drittel der Klausuren aus der Sammlung des FSR in den letzten acht Monaten digitalisiert.

Bei allem mehr, dass man dem FSR an Engagement, vorsichtig-kritische(ren) Veranstaltungen, Unterstützung des BAKJ und auch guten Absichten dieses letzte Semester zugestehen kann, bleibt es doch evident, dass der Anspruch an die eigene Tätigkeit der gleiche geblieben ist: Service, Lächeln, keine Fragen stellen. Studium geht der Arbeit im FSR auf-jeden-fall-vor, und vor allem: Auf keinen Fall irgendwas verändern oder hinterfragen… kurz maximale Anpassung.

Das die kritischen Jurastudierenden genau mit der entgegengesetzten Haltung des nicht-Anpassens, sondern selbstbewussten Hinterfragens, großer Aufopferung, einem hohen Anspruch, Hartnäckigkeit und Entschlossenheit nicht nur eine Alternative zum ich-mach-Karriere leben, sondern enorm viel mehr erreichen, zeigt wie wichtig ein Wandel im Fachschaftsrat wäre. Wer reflektiert welcher Wandel in Gesellschaft, Lebensentwürfen und Umgang miteinander nötig ist, der schafft es auch einen studentischen Freiraum, eine neue Prüfungsordnung, wöchentliche bildende Filmabende und eine Diskussion um das juristische Leitbild und die notwendige Reform der Rechtswissenschaft in Hamburg und darüber hinaus zu realisieren bzw. anzustoßen.

Aber das sind eben nur Ableitungen aus der Grundlage des eigenen Engagements: der Anspruch an sich und die Gesellschaft, die sozialer, demokratischer und emanzipierter werden muss.

[1] Infos zur FSRK unter http://www.fsrk.de/ , u.a. mit umfassender Broschüre zum Entwurf des Hamburger Hochschulgesetz

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