Dies Academicus und Fakultätsrat – Rückblick

Der Dies Academicus gestern war ein beeindruckender Tag, in meinem 6 Semestern Hochschule habe ich noch nie eine so ausgeglichene Versammlung, Professoren/Personal/Studierende so produktiv diskutieren gesehen. Man könnte sagen, dass so auch eine „Verfassungsgebende Versammlung“ der Uni ausgesehen hätte. Die Ergebnisse können sich sehen lassen und werden wohl die Diskussionen an allen Fakultäten nachhaltig beeinflussen. Wir waren am Ende bis oben hin voll mit Eindrücken. Schade, dass es nicht mehr Jurastudierende geschafft haben und auch von unseren Proffs nur Schmehl zu sehen war.

Das Schweigen zu unserem in der heutigen Fakultätsratsitzung eingebrachten Punkt Dies – Academicus war dementsprechend peinlich und lang… und auch die Reaktion des Dekanats auf unseren Einwurf hin, dass einige starrsinnige AG-Leiter trotz mehrmaliger und eindeutiger Aufforderung, an diesem Tag keine Veranstaltungen abzuhalten, ihre AGs haben stattfinden lassen, ließ an Konsequenz zu wünschen übrig.

Um eine Diskussion über die Ergebnisse des Dies Academicus, der im übrigen eine großartige Plattform des interdisziplinären Austausches mit anderen Fakultäten und Mitgliedern bot, wird auch unsere Fakultät nicht herumkommen: Sie werden durch sogenannte „Dies-Botschafter“ noch in den Fakultätsrat eingebracht werden und als Leitlinien zu beachten sein. Die Ergebnisse der Diskussionen und Workshops gibt es übrigens in Kurzform hier.

Positiv ist jedoch von allen Seiten unser Reform-Vorschlag aufgenommen worden, der sich mittlerweile großer Bekanntheit an der Fakultät erfreut. Aufgrund einer sehr gequetschten Tagesordnung haben wir wohlwollend beantragt, die Diskussion hierzu samt eines Antrags auf Einsetzung einer Kommission zur Vor-Formulierung eines Leitbildes auf die nächste Sitzung zu verschieben. Jetzt heißt es den Vorschlag weiter bekannt zu machen und das Gespräch mit allen Mitgliedern der Fakultät zu suchen. Dazu werden wir uns an Frau Heiderhoff wenden, der wir herzlich zur Wahl als Prodekanin gratulieren!

Auch ein weiterer großer Erfolg war ganz am Ende der Sitzung zu vermerken: Nach dem wir Prof. Repgen noch Pressestimmen zu „Fritz Bauer Tod auf Raten“ (s.u.) in die Hand gedrückt hatten bevor dieser hastig den Raum verließ, rief er uns noch zurück ´Ja wir kaufen den Film ja!´.

Man sieht also einmal mehr, dass wir – die Kritischen Jurastudierenden – ein Stein des Anstoßes an unserer Fakultät sein können! 🙂

Reformvorschlag

Heute bringen wir unseren Reformvorschlag zum Thema
Grundlagen des Weges weg vom „Jura-Repetitorium“ zur kritischen Rechtswissenschaft aus Studentischer Perspektive
Sowie Stellungnahme zu den Vorschlägen des Weißbuchs – Novelle zu Studium und Schwerpunktbereich des Studiengangs Erste Juristische Prüfung von Prodekan Prof. Dr. Schmehl

in den Fakultätsrat ein.

Hier vorab eine kurze Zusammenfassung unserer Punkte:
Anlässlich der Diskussion um eine Erneuerung der Studienordnung zur Ersten Juristischen Prüfung, angestoßen von Prodekan Prof. Dr. Schmehl, möchten wir unsere Meinung hierzu darlegen. In Hinblick auf Bologna sollten sich die Rechtswissenschaften nicht von der Diskussion um Bildung ausnehmen.

Freischuss
Der Freischuss, gedacht als Belohnung für ein schnelles Studieren, wirkt zurzeit viel mehr als Festsetzung einer Regelstudienzeit, bei deren Verpassen einem ein unter Umständen entscheidender zusätzlicher Anlauf für das erste Staatsexamen verloren geht. Gerade in Hinblick auf die enorme Stoffülle des ersten Examens und den Druck dieses in nur fünf Klausuren abzubilden, kann von einer wirklichen „Freiheit“ diese Vergünstigung wahrzunehmen nicht die Rede sein. Ein Verbesserungsversuch ist vielmehr grundsätzlich zu gewähren.

Reihenfolge von Schwerpunkt und Staatsexamen
Die Vorgabe des Hamburger Juristen Ausbildungsgesetzes, den Wahlschwerpunkt vor dem staatlichen Teil des ersten Staatsexamens ableisten zu müssen, lässt den bis hierhin gelernten Stoff in Vergessenheit geraten. Diese Gestaltung des Studiums ist mit ein Grund für die Existenz von Repetitorien, die grundsätzlich mit dem Anspruch an eine universitäre Ausbildung nicht vereinbar ist.

Grundlagen
Das Studium der Rechtswissenschaft sollte den Studenten zu einem verantwortungsbewussten Juristen, einem kritischen Entscheidungsträger reifen lassen, der das Recht zum einen systematisch anwenden kann, es zum anderen aber auch in seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft begreift. Im Zuge dessen ist die Bedeutung von Grundlagenfächern wie Rechtsphilosophie zu stärken, die zurzeit der von reinen Sitzscheinen gleich kommt. Dies wird der zwar grundlegenden, jedoch nicht zwangsläufig für Anfänger fruchtbringenden Materie nicht gerecht. Es lässt unbeachtet, dass sich erst nach einigen Semestern ein ansatzweise ganzheitliches Verständnis des Rechts entwickelt, rechtsphilosophische Fragestellungen also besonders im
späteren Verlauf des Studiums unerlässlich sind.

Leitbild
Als wichtigen Meilenstein einer Reform erachten wir es weiter, ein Leitbild der Rechtswissenschaftlichen Fakultät zu entwickeln, das dieser Vorstellung von Bildung gerecht wird. Ein Leitbild mutet beim Erarbeiten von „konkreten Lösungen und Änderungen“ vielleicht nachrangig und überhöht an, ist es jedoch keinesfalls. Damit die Reform nicht nur ein weiteres kurzsichtiges Umgraben des universitären Gartens wird, sondern Grundstein einer positiven Entwicklung der Fakultät, muss eben diese Entwicklung als Vision der Rechtswissenschaften in einem Leitbild umrissen werden. Unsere Fakultät sollten die Jurastudierenden nicht als wertneutrale Rechtstechniker, sondern als verantwortungsvolle und hinterfragende Architekten unserer Gesellschaft verlassen.


Den vollständigen Reformvorschlag findet ihr hier

Dies Academicus

Morgen, am 17. April, fallen alle Vorlesungen an der Universität Hamburg aus. Auf dem stattdessen stattfindenden Dies Academicus wird um Bologna diskutiert. Bologna ist uns Juristen egal? Kurz gesagt: leider nicht. Daher sollten auch Studenten der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sich morgen ab 9:00 Uhr im Hörsaal ESA A einfinden.

Mehr Infos gibt es in unserem aktuellen Paragraphenreiter.

Die Gesamtfassung unserer darin vorgestellten Vorschläge zur Reform des Studiums an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät findet ihr hier.